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Tagung "Reading Resistance - Widerstand und Kontroversität im Kontext gesellschaftlichen Wandels"

Die zunehmend in den Blick verschiedener Forschungsarbeiten rückende gesellschaftliche Polarisierung in Gesellschaft und Politik ist eine der dringendsten Herausforderungen von Kulturen und Gesellschaften im Wandel. Vor diesem Hintergrund widmet sich das Symposium der Frage, wie ein Umgang mit Widerstand und Kontroversität vor allem in sprachlichen und kulturellen Bildungskontexten theoretisch und anwendungsorientiert modelliert werden kann. Dabei wird eine neu angestoßene Debatte in der Fremdsprachendidaktik aufgegriffen, welche versucht Kultur und kulturelle Bildung im Hinblick darauf zum thematisieren, wie Dissens im kulturellen Lernen zugelassen werden kann und sollte und welche demokratiefördernde Rolle sprachlicher und kultureller Bildung vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Transformationsprozesse im Kontext von Nachhaltigkeit, Teilhabe und Digitalisierung zukommt.

Durch die aktuelle pandemische Situation scheint sich die zunehmende Polarisierung und Spaltung der Gesellschaft in sich gegenüberstehende Gruppierungen weiter zuzuspitzen. Schulen stehen unter diesen Bedingungen verstärkt vor der Aufgabe, demokratische Bildung anzubahnen und dabei auch Widerstände, Konflikte und Kontroversität abzubilden und mit Schüler*innen zu verhandeln. Dabei stellen sich grundlegende, den Kern bildungsphilosophischer und fachdidaktischer Theoriebildung betreffende Fragen: Wie können im Unterricht Widerstände nicht nur ausgehalten, sondern als produktives Lernmoment genutzt werden? Wo liegen die Grenzen des Sagbaren, wenn Widerspruch prinzipiell begrüßt wird? Welche Rolle spielt dabei die Sprache, die wir verwenden, auch und gerade im Hinblick auf Entwicklungen und Konflikte im Zeichen globaler Gerechtigkeit und den Folgen von Kolonialismus und kultureller Vielfalt?

Diese und andere Fragen, die sich aus dem erwähnten gesellschaftlichen Wandel und dem Bildungsauftrag von Schulen ergeben, sollen im Symposium aus einer interdisziplinären Perspektive betrachtet werden, die verschiedene fachliche und didaktische Zugänge vereint. Es soll einen Rahmen dafür bieten, neue Denkräume zu schaffen sowie interdisziplinäre Anschlusspunkte auszuloten bezüglich der Frage, wie Dissens gedacht, ausgehalten, eingeübt und produktiv gemacht werden kann und wo die Grenzen dieses Vorhabens liegen. Die Themen der Vorträge und Diskussionen des Symposiums bilden zahlreiche und wichtige Positionen verschiedener Disziplinen und Zugänge ab. Thematisch ergibt sich eine der Aktualität des Themas angemessene breite Perspektivierung durch Beiträge zur Rolle von Sprache beim Verhandeln von Widerstand, zur diesbezüglichen Professionalisierung von Lehrkräften, zur Rolle von Emotionen bei kontroversen Inhalten und zur Schüler*innenperspektive in Bezug auf Aushandlungsprozesse.